Martinsgänse und -umzüge

Vor ein paar Tagen war ja der 11.11. Das bedeutet in hiesigen Regionen St.-Martins-Tag. Und natürlich Karnevals-, bzw. Faschingsbeginn, wie es hier heißt. Und heute abend sind wir zur Martinsgans eingeladen – also zu einer echten (s.u.). Auch sowas, was ich eigentlich erst hier in Hessen kennengelernt habe.

Früher als Kind in Hamburg, gab es nur „Laternelaufen“, das fand „im Herbst“ statt, also irgendwann zwischen Oktober und November. Man ging abends mit der Laterne los und die Mütter sangen Laternelieder. Warum man das machte, habe ich als Kind nicht gewusst und auch nicht hinterfragt. Ich fand es nur cool, länger aufbleiben zu dürfen und im Dunklen nach draußen zu gehen.

Hier ist es nun so, dass die Laterneumzüge wirklich nur am 11.11. stattfinden (vielleicht noch 1-2 Tage drumherum) und das ganze Dorf dran teilnimmt. Es gibt in der Kirche ein St.-Martins-Spiel, einen verkleideten St. Martin, der den Zug anführt und ein Riesenfeuer. Eine Blaskapelle spielt das Laterne-Repertoire und die Jugendfeuerwehr läuft mit Fackeln vorweg. Und natürlich Martinsgänse. Liebe Norddeutsche: das sind keine echten Gänse, sondern so gebackenes Hefezeug. Als ich neu hier war, wurde ich von der Kindergärtnerin meines Sohns gefragt, wieviele Martinsgänse wir denn benötigten und ich war vollkommen fertig, dass es Leute geben mag, die mehr als EINE riesige Martinsgans essen konnten. Dann dachte ich aber, vielleicht ist es hier so traditionell, dass die Kindergärten verbilligte Martinsgänse bekommen…wir haben ziemlich hin- und her aneinander vorbeigeredet, bis ich dann kapiert hatte, dass es sich um diese Brötchendinger handelte…

Eigentlich finde ich das aber schön, dass es nur dieses eine Großereignis gibt und nicht den evangelischen, katholischen, schulischen, Turnverein…-Laterneumzug.

Leider gibt es im Gegenzug hier kein Osterfeuer. Das findet im Norden immer am Ostersamstag statt mit Riesenfeuer (ich glaube, eigentlich ist es entstanden, um die ollen Weihnachtsbäume loszuwerden ;o), Würstchen von der freiwilligen Feuerwehr und Bier. Wenn man dann um das Feuer rumstand, war klar, jetzt ist wieder Frühling.

Aber nun ist erstmal bald Advent…Machts Euch schön (ob mit oder ohne Gans),

beste Grüße

fraumasulzke

1 Kommentar

  1. Feiner Post. Die dunkle Jahreszeit ist ja auch irgendwie seltsam und schön. St. Martin habe ich auch erst kennengelernt, als ich mal in Süddeutschland lebte (Düsseldorf). Dort ging man aber wirklich schick aus zum Martinsgans -Essen. (Vielleicht war es ein spezieller Brauch von Single-Städtern-die-in-der-Werbung-arbeiten.)

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