Von einer, die auszog, töpfern zu lernen

Moin Welt.

Schon seit ich ein kleines Mädchen war, wollte ich unbedingt das Töpfern an der Drehscheibe lernen. Das kam daher, dass eine Bekannte meiner Großmutter, eine Töpferin war. Auf den jährlichen Weihnachtsmärkten im Dorf stellte sie ihre Werke aus, zeigte ihr Können an der Drehscheibe und hatte auch immer Ton für die Kinder zum Matschen dabei. Natürlich durften wir NICHT an die Scheibe, sondern mussten uns mit der Würstchen-Methode abmühen. Kennt Ihr die? Man formt so kleine Würste aus Ton und verblendet sie dann quasi dem Ton-Würstchen darunter. Irre mühselig und sieht total krumpelig aus.

Nun ist es total verständlich, dass die Töpferin nicht eine Horde Kinder an ihre Töpferscheibe lassen kann. Das ist alles nämlich gar nicht so einfach, wie ich schon vermutet hatte und jetzt weiss. Trotzdem fand ich es damals natürlich empörend und all die Jahre hatte ich im Hinterkopf, dass ich das eines Tages unbedingt ausprobieren muss. Und nun war es tatsächlich soweit. Ein Wochenend-Workshop Töpfern an der Drehscheibe. Bißchen irritiert war ich ja, als ich sah, dass es sich „nur“ um jeweils 2,5 Stunden handelte, aber wie sich rausstellte, war das mehr als genug.

Töpfer/Keramiker ist tatsächlich ein Handwerk/Ausbildungsberuf, der 3 Jahre lang erlernt werden muss und mit dem Gesellenbrief abschließt. Und ich weiß jetzt nämlich auch, warum.

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Wie fängt man nun an? Wir waren zu dritt in unserem Workshop und als erstes fiel mir auf, in was für einer Zwangshaltung man über der Scheibe sitzen muss, die ist nämlich ziemlich niedrig und man arbeitet quasi mit breiten Beinen, Scheibe in der Mitte auf Höhe der Knie. Das ist sicher für jeden anstrengend, für Menschen über 1,85 fast unmöglich schätze ich mal. Dann wurde uns ein Batzen Ton auf die Scheibe geknallt (das ist wichtig, damit der haften bleibt), die Scheibe auf voll Speed gestellt (als Anfänger immer volle Pulle) und dann durften wir mal einfach bißchen ausprobieren, um mal ein Gefühl zu kriegen. Ziemlich matschige Angelegenheit übrigens, weil man sehr viel mit Wasser arbeiten muss, um den Ton geschmeidig zu halten. Allerdings natürlich nicht ZUVIEL Wasser. Irgendwann war der Ton übrigens einfach weg. Wegzentrifiguriert sozusagen. Und dann hat unser Lehrer mal erklärt und gezeigt, wie man es richtig macht. Als erstes muss der Ton nämlich natürlich absolut mittig auf der Scheibe geschmeidig gemacht werden (zentriert werden). Und weia, da geht es schon los. Wenn der nämlich NICHT mittig sitzt, hat er eine Unwucht, die es absolut unmöglich macht, auch nur irgendwas damit anzustellen. Und bei jeder Umdrehung haut  dir die Unwucht in die Arme. Ich hatte übrigens richtigen Muskelkater am Tag danach in den Armen.

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Eigentlich hatte ich ja auch gedacht, Ton wäre so eine Art Matsch. Stimmt nicht. In Wahrheit ist Ton eine Diva, die mit Umsicht und Vorsicht behandelt werden will. Sonst macht sie nämlich, was sie will. Zuviel Wasser ist genauso übel wie zu wenig. Eine falsche Bewegung mit dem Finger und es macht FLATSCH und alles ist hinüber. Und auch als ich mir fest vorgenommen hatte, ich mache jetzt ein Gefäß mit geraden Wänden, wurde es ein Schälchen. Leider kann man das dann auch nicht mehr rückgängig machen. Ein anderer Teilnehmer hat nur flache Objekte hinbekommen (der Ton wollte das so, meinte er, und ich kann das total nachvollziehen).

Fazit: Es ist irre schwer, an der Scheibe zu töpfern. Und ziemlich anstrengend. Mit meinen 4 kleinen Gefäßen (von denen übrigens keins so aussieht, wie ich es mir vorher vorgenommen hatte), kann ich wohl ziemlich zufrieden sein, wie unser Lehrer meinte. Ich bin superglücklich, dass ich es gemacht habe und stolz auf meine Werke, aber ich bin nicht infiziert.

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Bis die Tage

Die fraumasulzke

4 Kommentare

  1. Liebe Merle, danke für deinen Erfahrungsbericht. Kann mir gut vorstellen, dass das megaanstrengend ist. Deine Schalen sehen aber richtig gut aus, geradezu meisterlich. LG Undine

  2. Du kannst wirklich absolut zufrieden mit deiner Leistung sein!
    Zu Töpfern, ob mit der Drehscheibe oder mit der Hand, ist nicht einfach nur Dreck in Form zu drücken. Du hast es mit dem Vergleich zur Diva nett umschrieben 😉
    Ich habe während meines Lehrerstudiums nach den ersten „Drehtagen“ das Töpfern auf diesem Weg gemieden, allein schon wegen der zentrifugalen Sauerei drumherum, die ja auch noch weggeputzt werden musste.
    Viele Jahre später stand in einer der Schulen, in der ich unterrichtete, eine fußbetriebene Drehscheibe mit der ich es irgendwann einmal schaffte etwas in Form und Höhe einer Vase hinzubekommen.
    Leider hat es diese Vase nie bis in meinen Haushalt geschafft 😉
    Viele Grüße
    Karin

    • fraumasulzke

      12. April 2016 at 16:05

      Dreck in Form drücken ist auch nett gesagt ;o)) Ich sehe es so ähnlich wie Du. Es hat Spaß gemacht, aber es wird jetzt nicht mein neuer Lebensinhalt…LG Merle

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