Erlesen: Herbstlektüre. Von Challenges bis Dystopien

Moin Welt.

Ich habe irgendwie einen Hang zu Dystopien für Jugendliche. Geradezu verschlungen habe ich damals die Panem-Trilogie und jetzt habe ich die Reihe „Die Auserwählten“ von James Dashner entdeckt. Ich habe den kleinen Herrn M. quasi gezwungen, nein, nicht die Bücher zu lesen 😉 , sondern die ersten beiden Bände aus der Schulbücherei auszuleihen, aber herrje! Jetzt sind Ferien – da muss Band 3 erst recht her! Also. Worum geht es in Band 1 und 2?

Thomas wacht in einem Aufzug auf und kann sich – außer an seinen Vornamen – an nichts erinnern. Er kommt an einen merkwürdigen Ort namens „die Lichtung“, umschlossen von hohen Steinmauern, einem Labyrinth, dessen Mauern sich nachts verschieben. Auf der Lichtung hat sich eine Gruppe von ca. 40 Jugendlichen (alles Jungs) einigermaßen eingerichtet, so dass sie überleben können. Allen geht es wie Thomas, außer an ihren Namen erinnern sie sich an nichts. Nachts schließen sich die Tore zum Labyrith und die Griewer (grauenvolle Halbmaschinenmonster) kommen raus und killen alles, was sich ins Labyrinth traut. Einige Tage nach Thomas Ankunft kommt ein Mädchen auf die Lichtung und prompt geht alles zu Ende. Die Tore schließen sich nicht mehr, es gibt keinen Essensnachschub mehr und die Griewer holen sich einen nach dem anderen der Jungs, bis ihnen klar wird, dass sie jetzt einen Ausweg finden MÜSSEN. Natürlich spielt Thomas dabei eine exponierte Rolle.

Da es einen 2. Und 3. Band gibt, kann man sich denken, ob die Jungs es schaffen, aus dem Labyrinth zu entkommen. In der Fortsetzung, als alle schon denken, sie seien jetzt in Sicherheit, geht es natürlich nochmal eine Nummer härter zur Sache. Die Jugendlichen landen in der „Brandwüste“, wo sie 2 Wochen Zeit haben, den sog. „sicheren Hafen“ zu erreichen. Und meine Güte – ich bin nun wirklich nicht zart besaitet, aber einige Stellen haben mich an Stephen King zu seinen besten Zeit erinnert. Zu allem Unglück sind die Jugendlichen auch noch mit der tödlichen Krankheit „Brand“ infiziert. In allerletzter Sekunde werden sie von einem Hubschrauber eingesammelt und nun bin ich auf Band 3 gespannt. Wenn ich den Büchern eine Altersfreigabe geben müsste, würde ich fast sagen, nicht unter 16. Das Gemetzel ist teilweise schon echt ganzschön heftig. Aber spannend!

Natürlich kam ich als Harry-Potter-Leserin der ersten Stunde nicht umhin, „Harry Potter und das verwunschene Kind“ zu lesen, das ja eigentlich ein Theaterstück ist. Als solches mag es funktionieren, als Buch fand ich die Story jetzt etwas dünn. Grob gesagt geht es um das Zeitparadoxon. Obwohl es irgendwie ganz charmant war, von Harry als überforderten Vater mit pubertierendem Sohn zu lesen.

Weiterhin habe ich anscheinend momentan Spaß daran, von Menschen zu lesen, die Sachen ausprobieren („Challenges“ ne) . Das hat mir schon dem Buch von Meike Winnemuth so gut gefallen (Rezension hier) und nun hat mir eine Freundin das Buch „Sachen machen“ von Isabel Bogdan empfohlen. Untertitel: Was ich immer schon tun wollte. Sie macht. Und berichtet darüber  in diesem Buch. Teilweise schreiend witzig. Von Bikram Yoga (ja genau das ist das Yoga, wo man im 40 Grad heißen Raum rumturnt) über Teilnahme an einer Schweineschlachtung (nicht so dramatisch wie man angenommen hätte), Rhönrad-Turnen, Sado-Maso-Fetisch-Party bis hin nach Wacken. Ja genau, das berühmte Heavy-Metal-Festival, das einmal jährlich im gleichnamigen Dorf in Schleswig-Holstein stattfindet. Das hat sie so umwerfend gemacht, dass ich in meinem ältere-Dame-Alter (zumindest was Heavy-Metal-Festivals angeht) ernsthaft überlege, dass ich da doch vielleicht auch nochmal hin muss. Herrliches Buch. Lesen!

Außerdem habe ich noch das Buch „Hausbesuche“ von Stephanie Quitterer als Rezensionsexemplar vom Knaus-Verlag erhalten  (Ich bedanke mich dafür. Auf meine Meinung hat dies jedoch keinen Einfluss).

Dieses Buch ist aus ihrem Blog entstanden, als sie, neu in ihrem Kiez in Berlin und frisch Mutter geworden, ihre Nachbarschaft kennenlernen wollte. Weil sie nämlich keine Lust hatte, als fleischgewordenes Feindbild (Lattemacchiato-Mutti) in ihrem gentrifizierten In-Viertel wahrgenommen zu werden. Dazu hat sie einfach jeden Tag einen Kuchen gebacken und ist bei wildfremden Leuten klingeln gegangen.

Und.das. hat. die. WIRKLICH.gemacht.

Krass oder? Also es ist kein Roman, sondern quasi ein Tatsachenbericht. Ich weiss immer noch nicht, ob ich das bewundernswert finden soll oder einfach nur wahnsinnig. Zumal sie nach eigenen Aussagen nicht unbedingt die Extrovertiertheit in Person ist. Erst hab ich gedacht, naja ist ja einfach, du schreibst dir das Wort „Projekt“ auf die Stirn und kannst Dich dahinter schön verstecken, aber trotzdem war es wohl so, dass sie halbe Nachmittage abgewimmelt wurde – richtig angemotzt wurde sie wohl nur ein einziges mal – das muss man auch erstmal wegstecken können. Wobei das Hochgefühl hinterher, wenn man über seinen Schatten gesprungen ist, reingelassen wurde und Smalltalk mit vollkommen unbekannten Menschen gemacht hat (Gott, was für ein Albtraum), wohl alles aufwiegt.

Natürlich hat sie neben merkwürdigen auch tiefbewegende und berührende Begegnungen gehabt. Und auch Freunde gefunden. Für mich bleibt irgendwie ein Nachgeschmack von vollkommen irrwitzig. So ähnlich, als wenn ich ein Buch über eine Ein-Mann-Polarexpedition (nackt) gelesen hätte – schon irgendwie spannend, aber für meine Begriffe vollkommen absurd. Meinen tiefen Respekt für diese Idee hat sie aber trotzdem, die Stephanie. Und ich bin mir nicht sicher, ob ICH sie reingelassen hätte, wenn jemand vor meiner Tür steht, den ich noch nie gesehen habe und mit mir in meinem Wohnzimmer Kaffee trinken will? Mal ehrlich, Arm hoch, wer hätte das gemacht? (Übrigens hätte sie selbst sich auch nicht reingelassen, schreibt sie).

Nächste Woche gehe ich auf die Buchmesse und hoffe, wieder gaaanz viele neue Bücher auf meine Liste zu schreiben. Wer Lesetipps hat, bitte wie immer her damit.

Bis die Tage

die fraumasulzke

2 Kommentare

  1. Ich habe Anfang des Jahres die Legend-Trilogie gelesen. Die war auch ganz gut.

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