Perlen des Alltags: Klamotten kaufen mit einem Pubertier

Moin Welt.

Erst wollte ich noch den Zusatz „männlich“ dazu schreiben, aber ich glaube, so einen großen Unterschied macht es gar nicht. Was waren das früher für paradiesische Zeiten, als man auf einen x-beliebigen Kinderkleiderbasar gehen konnte und für wenig Geld Riesenauswahl an Klamotten von Marke bis noname hatte. Die Kinder wechselten die Größe erst sehr schnell und dann nicht mehr ganz so schnell, man nahm einfach, was man selbst niedlich und passend fand und gut. Oder wenn über den Spielplatzfunk Gerüchte weitergegeben wurden, dass es beim LADI Schneeanzüge oder ähnliches gab. Zwar musste man dann schon morgens um 7 Uhr an der Tür kratzen, aber jeder war mal dran und hat für die anderen mit eingekauft. Das waren noch Zeiten…

Marken und Muster waren den Kindern herzlich egal. Und mein Sohn war da wirklich pflegeleicht. Er bestand nicht auf BobderBaumeister, Popsmonsge oder ähnlichen Grausigkeiten. OK, um Lego-Starwars kamen wir nicht drumrum, aber als das Sweatshirt nicht mehr passte, war auch diese Phase vorbei.

Was schon immer schwierig zu finden war, sind Schuhe. Nicht etwa wegen erlesenem oder außergewöhnlichem Geschmack…nein…bei jedem EINZIGEN Paar, das wir in sämtlichen Schuhgeschäften anprobieren mussten (und das ist MEHRMALS passiert, also quasi alle halbe Jahr) verzog er leidend das Gesicht und meinte nur: „Die nicht“. Ich darauf (erst mit Engelsgeduld, dann immer mehr innerlich und auch äußerlich ausrastend): „Und warum diese auch nicht“. Und dann kam von ihm manchmal nur ein Schulterzucken oder wenn man denn gar nicht aufgehört hat zu bohren: „Die sind irgendwie komisch“. „Passen sie nicht? Drücken Sie? Vorne? Hinten? Seite? WAS??!! SPRICH MIT MIR“ „Weiß nicht. Irgendwie komisch halt“.

Und das bei 30 Paar Schuhen und mehr. Irgendwann haben wir dann völlig erschöpft irgendein Paar genommen, was nach kurzer Eintragezeit dann – oh Wunder – nicht mehr „komisch“ war. ABER: da ging es um die Passform. Jetzt kam er neulich an und wollte „Sneaker“. Ich hatte den Verdacht, dass er gar nicht so genau wußte, was das ist. Was er jedoch genau wußte, war die Marke, von der sie zu sein hätten. Und gerade bei diesem Thema stößt er bei mir auf ganz viel Verständnis, weil ich noch heute mit den Spätfolgen des traumatischen Erlebens zu kämpfen habe, Turnschuhe mit nur 2 (!) Streifen tragen zu müssen – darüber habe ich hier übrigens schonmal berichtet.

Komischerweise passten die dann sofort.

Die Krönung war jedoch neulich, als wir beide mal wieder mit hochroten Köpfen in der Umkleide standen und ich diverse Sachen anschleppte, die alle nicht genehm waren („viel zu BUNT“ -> dezente skandinavische Streifen in dunkelblau/weiß…“DAS doch nicht“ naja usw.) Neben mir stand eine ebenso verschwitzte, gestresste Muddi mit einem gleichaltrigen Sohn. Wir sahen uns leidgeprüft in tiefen Verständnis an und versicherten uns, dass es manchmal doch mit einem Mädchen sicher auch ganz schön wäre. Irgendwann kam ihr Sohn mit Todesverachtung im Blick neu eingekleidet aus der Kabine und wir sahen ihn erwartungsvoll an. „Und? Gefällts dir nun endlich?“ fragte seine Mutter. Und seine Antwort? „Hmjanajaschonok“…Und dann noch: „Irgendwie so…klamottig“.

Was soll man dazu noch sagen?

Bis die Tage

die fraumasulzke

4 Kommentare

  1. Herrlich! Mehrfach laut gelacht!!
    Mitfühlende Grüße,
    Marion

  2. Toll, dass Dein Beitrag genau heute kommt. Wir haben auf dem Boden verzweifelt nach einer Winterjacke gesucht. Leider beide zu klein und so werden wir diese Woche genau solche Szenen nachstellen :-). Sehr gut beobachtet und hochamüsant dein Beitrag. LG Undine

  3. Was bin ich froh diese Zeiten hinter mir zu haben! Im übrigen sind Mädchen nicht einfacher. 🙂 Mädels gehen zudem gerne an Mutters Schrank, um sich das auszuleihen was sie Tage zuvor im Laden verschmäht hatten.
    Im Teeniealter meiner beiden hatte ich zwei Verfahren in Sachen Saison- und Größenwechsel nachdem wir vorab die nötige Kleidung und das Budget abgesprochen hatten, sowie die Einkaufsörtlichkeit/en.
    Variante 1: Ich setzte mich in ein Cafe oder ging in einen Buchladen und Sohn wie Tochter gingen auf Tour, zusammen oder alleine. Gefiel ihnen etwas ließen sie es zurücklegen. Nach ein/zwei Stunden trafen wir uns wieder und klapperten die Geschäfte gemeinsam ab, damit ich meinen Segen und das Geld geben konnte.
    Variante 2: Geduldigere „Einkaufsberater“ finden. Als Mutter ist man zu befangen. Meine Große ging Oberbekleidung mit einer meiner Freundinnen shoppen, Schuhe mit ihrer Großmutter und Sohnemann kam am besten mit seinem Großvater zurecht.
    Jahre später werde ich tatsächlich wieder als Beraterin in Kleidungsfragen akzeptiert bzw. befragt.
    Durchhalten! 😉
    Viele Grüße,
    Karin

    • fraumasulzke

      7. November 2016 at 18:10

      Danke 😉 Das mit Alleine-losgehen hatte ich auch schon mal vorgeschlagen, wollte er nicht…so habe ich es früher selbst auch am besten gefunden…kommt vielleicht noch. Jedenfalls immer so erleichternd, dass es anderen exakt genauso geht. Irgendwie denkt man ja immer, das ist nur einem selbst uns so…LG Merle

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