Perlen des Alltags: Gendern? Ein entschiedenes GEIN!

Moin Welt.

Also. Dieses rosa/hellblau-Dingens nimmt derart überhand, dass ich nicht umhin komme, mir darüber mal Gedanken zu machen.

Wie es früher war

Meine eigene Sozialisation diesbezüglich fand in den 70ern statt, da war das modern und schick, rosa und hellblau wie den Teufel zu vermeiden, Kinder beiderlei Geschlechts in grün/orange/braun zu verpacken, Mädchen kurze Haare zu verpassen und Jungen lange zu erlauben. Genauso war es bei mir – ich durfte keinen langen Haare haben, lief meistens in grün/orange/ braun herum und mein großer Traum waren weiße Lackschuhe.

Ich erinnere mich noch an eine Hochzeit im Verwandtenkreis – da kann ich nicht älter als 4 gewesen sein – ich trug eine praktisch-karierte Hose und irgendetwas schmutzabweisendes. Dann sah ich SIE. Eine Cousine von mir trug einen Traum in rosa Tüll. TÜLL! Wahrscheinlich sah sie aus wie ein Sahnebaiser, aber ich fand sie wunderschön und war sehr neidisch. Wenn ich auch so etwas verlangte, wurde mir nur gesagt, das sei doch unpraktisch, passe sowieso bald nicht mehr und „du willst doch nicht aussehen wie sone Mädchen-Prinzessin?!“ DOCH! Genauso wollte ich aussehen! Auch wenn ich ein pummeliges, blondes, großes Mädchen war. Konsequenz daraus war, dass eine Phase in meinem Leben gab, so mit Anfang 30 als ich diese Prinzessinnenphase mit allem Drum und Dran nachholen musste. Klar war das peinlich. War mir allerdings egal 😉

Muss denn ALLES in rosa und hellblau sein?

Dass heutzutage ALLES in Mädchen-/Jungs-Dinge aufgeteilt werden muss, finde ich allerdings auch irgendwie verkehrt. Und noch viel bedenklicher finde ich, wenn man seine Kinder davor warnen muss, als Junge eine rosa Brotdose oder Schuhe zu wollen, weil er ansonsten Gefahr läuft, von seinen Kumpels gemobbt zu werden. Oder wenn Nachbarsjungs gesagt bekommen, „was Du spielst Flöte, das ist doch was für Mädchen“. HALLO???

Ganz was neues – Akkuschrauber für Mädchen!

Oder wenn Bekannte sich darüber unterhalten, was Lea-Sophie denn zum Geburtstag bekommen soll. Sie wünscht sich so sehr ein „Haushaltsgerät“. Aber einen Spielzeugstaubsauger habe sie schon. Vielleicht einen Toaster? Nee, also da könne man nicht so gut mit spielen. Oder doch ein Mixer? Und wenn ich dann sage: wie wäre denn ein Spielzeug-Akkuschrauber? Im übrigen ganz ohne Gendergedanken, ich hatte mich nur erinnert, dass die Dinger bei Jungs UND Mädchen immer sehr beliebt waren. Es war quasi eine Offenbarung für die beiden Mütter: Also, da hätten sie ja noch GAR NICHT daran gedacht. Hm, also wieso nicht? Obwohl es eigentlich ein Jungs-Spielzeug sei? HALLO???

Und Jungen, die gern lesen!

Genauso bedenklich finde ich, wenn gesagt wird, die armen Jungs, die müssen immer still sitzen, die wollen sich doch IMMER bewegen, das liegt doch in ihrer Natur…blabla usw. Es soll wohl tatsächlich Jungs geben, die z.B. gerne lesen und NICHT ihr Seelenheil im Fußball finden.

Deshalb bin ich auch nicht böse, wenn nicht jede/r Text/in mit er/sie gekennzeichnet ist – mir ist das egal ob jetzt die weibliche oder männliche Form verwendet wird, nur es sollte EINE sein und nicht ständig diese /// – das mag ich nicht.

Jede soll so sein, wie es ihm gefällt

Also – lasst doch jede und jeden doch so sein wie er/sie nunmal ist. Und wenn Mädchen Prinzessin sein wollen oder auch Baggerfahrer, dann lasst sie doch. Ja, AUCH und GERADE Prinzessin. Genauso wie Jungs von mir aus rosa Schuhe und Glitzerspängchen tragen sollen, wenn sie das gern wollen. Oder auch einen Technikbaukasten zum Geburtstag bekommen. Das bringt nämlich gar nix, sowas jemanden aufzudrängen, der sich ganz einfach dafür nicht interessiert. Und wenn man noch so viele Girls- oder Boys-Days organisiert.

Vielleicht einfach das nächste Mal darüber nachdenken, was sowas mit den Kindern macht, wenn man gedankenlos solche Sprüche macht wie mit der Flöte. Oder mit dem Toaster. Aber auch, wenn man seiner Tochter nicht erlaubt, auch mal Prinzessin zu sein.

Wie seht ihr das?

Bis die Tage

Die fraumasulzke

9 Kommentare

  1. Ich bin völlig Deiner Meinung. Prinzessin war ich schon als kleines Mädchen und bin auch irgendwie bis heute eine geblieben…😉 Meine Schwester trug derweil Lederhosen, ist auf Bäumen rumgeklettert und hat sich mit den Jungs gekloppt. Unsere Eltern haben uns einfach gelassen, und das war gut so!

    Liebe Ostergrüße, Martina 🐣

  2. Oh mann, dieses Genderding. Als Jungsmama nervt es mich sehr, dass die einfachsten Sachen wie ein Spielhaus (in diesem Fall von Lego) so rosalila ist, dass sich das kind gezwungen sieht, statt Familie dann Polizei/Feuerwehr/Pirat zu spielen. Die Wahl wird nicht gelassen, außer, man nimmt Hänseleien in Kauf, ganz wie du sagst. Meinst du, es wird eine Entwicklung zur Neutralität geben? Ich befürchte, dass da auch einfach zu große wirtschaftliche Interessen sind. Muss doch bei gemischten Geschwistern vieles zweimal gekauft werden. Liebste Grüße, Käthe

    • fraumasulzke

      16. April 2017 at 22:33

      Ich fände totale Neutralität genauso blöd wie ALLES nach Geschlecht trennen – so gewisse Jungs-/oder Mädchendinge wird es immer geben, ist ja auch ok so. Aber genau wie du sagst – das sind auch große wirtschaftliche Faktoren. Für uns umso wichtiger, diesen Quatsch möglichst nicht mitzumachen…LG zurück

  3. Besonders der Teil mit der Flöte hat mir gut gefallen…. und dann war da noch diese große Vorliebe für Filly Pferde. Auch das gabt es. Und alles war genau richtig so.

  4. Liebe Merle, ein schöner Beitrag! Ich hätte aus Praktikabilitätsgründen auch gern mehr neutrale Klamotten gut gefunden. Wenigstens bei Jeans und Schlafanzügen. Ansonsten kann doch jeder anziehen oder machen, was er gern hat. Meine Tochter mag kein Glitzer, Prinzessin ist sie trotzdem. Mein Sohn liest Bücher, spielt mit den Nachbarkindern ob Junge oder Mädchen genauso wie er sich auf dem Fußballplatz verausgabt. Sind wir nicht alle ein bisschen Junge und Mädchen? LG Undine

  5. Über Generationen lang war
    rot de Farbe der Kämpfer und somit rosa die Farbe für Jungs
    blau die reine Farbe Marias und hellblau passend für Mädchenkleidung
    und dann kam in den 1920ern die Wende, weiß der Kuckuck warum.
    Mein Sohn trug als Baby die Jacken aller älteren Mädels der Bekanntschaft ab. Seine Lieblingsjacke war weiß mit großen rosafarbenen Rosenblüten und kuscheligem Teddyfutter. Der Kuschelfaktor siegte.
    Die nächste Lieblingsjacke suchte er sich aus dem Second-Hand-Angebot zielgerecht nach lalülala in lila aus.
    Und seine Puppe hieß Lisa. Ups 😀 😀 – es gibt keine Zufälle
    Viele Grüße,
    Karin

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