Sexarbeit mal anders – Besuch bei Autorin Carin Müller/Charlotte Taylor

Moin Welt.

Nun stellen wir uns mal vor: eine erfolgreiche Autorin von erotischer Literatur. Was sehen wir da vor unserem inneren Auge? Ich sag Euch mal, was ich da so sehe: Ich sehe eine Frau mit schwarzen Locken und blutrot geschminkten Lippen, die sich im knappen Fummel in ihrem Boudoir räkelt (gerne in schwarzer Satin-Bettwäsche) und mit rauer Stimme Ferkeleien in ihr Diktiergerät haucht. Neben sich übrigens den Champagnerkübel, den Derek, ihr 20 Jahre jüngerer Gespiele, serviert hat. Wahrscheinlich habe ich zuviel Phantasie, denn natürlich ist alles ganz anders, als ich mich letztens aufgemacht habe, um Carin Müller – die nämlich (auch) sexy Geschichten schreibt, zu treffen.

Also eigentlich schreibt die erotischen Sachen Charlotte Taylor, die sich mit Carin einen Wirtskörper teilt. Carin schreibt natürlich auch, aber andere Sachen.

Und natürlich öffnet mir kein Vamp die Tür, sondern eine höchst sympathische und gut aussehende Frau. Im Traum würde man nicht daran denken, dass sie durchaus saftige Erotikgeschichten schreibt.

Carin hat ihr Büro im hippen Frankfurter Bahnhofsviertel, in dem (natürlich) neben allerlei Sexshops auch Läden aus aller Welt, Clubs und Bars zu finden sind und das auch zunehmend von Kreativen entdeckt wird. Für meine Begriffe eine absolut inspirierende Arbeitsumgebung.

Ich habe Carin das erste Mal auf der LitblogConvention getroffen (hier nochmal zum Nachlesen), war eigentlich eher aus Versehen auf ihrem Vortrag und habe mich wie Bolle u.a. beim „Penis-Bingo“ amüsiert. Was man sich unter diesem Spiel so vorstellen soll? Naja, man kriegt einen Zettel mit 9 Feldern und schreibt da Synonyme für was-auch-immer auf (das geht auch mit anderen Worten. Macht aber nicht son Spaß, ne?), z.B. „Lustzapfen“ oder auch „Fleischpeitsche“. 😉 Naja und die Autorin und ihrer nicht minder brilliante Lektorin hatten dann einen Mörderspaß dabei, verschiedenste Worte auszuwählen und jedes Mal, wenn man einen Treffer hatte, hat man ein Kästchen durchgestrichen und dann natürlich irgendwann: BINGO. Und wer hat wohl gewonnen? *räusper* Ich kenne aber eben auch soviele Wörter 😉

„Im Grunde genommen schreibe ich Märchen“ sagt Carin über ihre Romane und schließt darin beide Genres ein. Und der größte Unterschied bestehe eigentlich darin, dass sie als AutorinCarin bei den Sexszenen quasi die „Tür zumacht und draussen bleibt“ und als AutorinCharlotte dabei ist. Und was ich echt ziemlich bemerkenswert finde, ist, dass sie dabei ganz strenge Grundsätze hat. So legt sie z.B. großen Wert auf Safer-Sex und dass der Sex zwischen den Protagonisten immer einvernehmlich ist. Die Bücher sind übrigens alles andere als Pornos, also quasi Füllmaterial zwischen den erotischen Szenen, die eigentlich auch nicht unbedingt die Hauptrolle in den Büchern spielen, es sind schon eher Liebesromane. Und gelegentlich sind sie auch richtig witzig. So habe ich z.B. Drake, den sabbernden Bluthund der Protagonistin Luci sehr ins Herz geschlossen!

Auch deshalb gab es wohl auch noch nie so einen richtigen Shitstorm – ich hatte da nämlich so strenggläubige Menschen im Verdacht, die vielleicht Sodom und Gomorrha zwischen den Seiten vermuteten – was Carin fast ein bißchen bedauert, hatte ich den Eindruck.

Woher holt man sich denn eigentlich die Inspiration habe ich Carin gefragt und was sie gegen die berüchtigte Schreibblockade mache. Ganz einfach meinte sie – Schreibblockaden kenne sie nicht, nur so etwas wie Schreib-Unlust und Inspiration kann von überall kommen – und da hat sie mir auch direkt ein Beispiel genannt…und wenn ihr Euch auch mal inspirieren lassen wollt, dann gebt man bei youtube z.B. „kilted Yogis Interview“ ein, dann wisst ihr, was gemeint ist. Und prompt spielt ein sexy, Yoga-praktizierender Schotte in ihrem Buch „San Francisco“ aus der Reihe „Millionaires Club“ eine Hauptrolle.

Naja, kann ja nicht so schwer sein, über Erotik zu schreiben, denkt ihr jetzt vielleicht? Dann muss ich wohl noch erwähnen, dass Carin eine ganz klassisch ausgebildete Journalistin mit abgeschlossenem Germanistik-Studium ist , mit Volontariat und allem drum und dran und erst seit 2005 Romane schreibt. Der dann übrigens erst 2009 veröffentlicht wurde. Ich finde auch, dass man das in ihren Geschichten merkt. Die sind einfach handwerklich gut – auch wenn man mit dem Genre vielleicht auf Anhieb nicht unbedingt etwas anfangen kann.

Und wie toll ist es doch, wenn Uschi Mustermann, die vielleicht „in echt“ nicht so ein tolles Leben hat, sich nach ihrer Schicht mit roten Ohren und glühendem Herz in ihr Buch verkriechen und dem schnöden Alltag ein bißchen entfliehen kann.

Und so waren ruck-zuck 2 Stunden mit Plaudern und Lachen vergangen, wie es oft ist, wenn jemand einfach was zu sagen hat. Ich freue mich so, durch das Bloggen immer wieder über den eigenen Tellerand zu gucken und so tolle, inspirierende Frauen kennenzulernen.

Und vielleicht kann ich ja den einen oder anderen von Euch dazu inspirieren, die eigene Komfortzone zu verlassen und mal was ganz anderes zu lesen, eventuell sogar was von Charlotte Taylor? Oder von Carin Müller?

Bis die Tage

Merle

 

 

 

1 Kommentar

  1. Köstlich amüsiert, nicht nur über das Ergebnis beim Bingo 😀
    Mit vielen Grüßen,
    Karin mit K 😉

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