Erlesen: „Unorthodox“ von Deborah Feldman und „Vom Ende der Einsamkeit“ von Benedict Wells

Moin Welt.

Ich erlebe es mittlerweile relativ selten, dass mich ein Buch so dermaßen packt, dass ich gar nicht mehr aufhören kann zu lesen – nun gut, oftmals erlaubt das die Zeit auch gar nicht, aber das schreckt einen echten Leser übrigens nicht. Da wird dann notfalls bis spät in die Nacht gelesen (nur noch das Kapitel. Ok das nächste noch. Also jetzt kann ich nicht aufhören. Und zack ist es 2 Uhr morgens…). Ich empfinde das übrigens als großes Glück, sich so in andere Welten verlieren zu können. Auch wenn die Geschichte im Buch eigentlich echt schrecklich ist. So geschehen mit „Unorthodox“ von Deborah Feldman. In diesem Tatsachenbericht schreibt die Autorin von ihrer Kindheit in der ultraorthodoxen, chassidischen  jüdischen Gemeinde Satmar in Williamsburg, New York. Schon auf der allerersten Seite war ich geschockt von dieser Aussage:

„…da sie glaubten, dass der Genozid an den Juden als Strafe für Assimilation und Zionismus über sie gekommen war. Chassidische Juden aber richteten ihr wichtigstes Augenmerk auf die Fortpflanzung und wollten die vielen, die umgekommen waren, ersetzen und ihre Reihen wieder erstarken lassen. Bis zum heutigen Tage haben die chassidischen Gemeinden nicht aufgehört, rasant zu wachsen, was als endgültige Rache an Hitler verstanden wird.“

Diese Geschichte ist übrigens wahr und die absolute Offenheit, dabei ihr beiläufiger, fast schon sachlicher Ton haben mich tief bewegt. Die Autorin wächst bei Ihren Großeltern, die Überlebende des Holocaust waren, auf und ist seit ihrer Geburt Teil der tiefreligiösen Gemeinschaft. Schon als kleines Mädchen stellt sie Dinge in Frage und leiht sich (weltliche) Bücher aus der Bibliothek aus. Beides streng verboten – erst recht als Mädchen. Mit 17 wird sie in einer arrangierten Ehe verheiratet und was ihr Leben lang absolut tabu war – nämlich der Umgang mit dem anderen Geschlecht, soll nun von jetzt auf gleich in möglichst vielen Kindern münden. Die Geschichte von ihrem „ersten Mal“ gehört zu dem krassesten, was ich jemals gelesen habe.

Der vorgegebene Weg funktioniert natürlich nicht bei der intelligenten, wissensdurstigen jungen Frau. Sie fängt an zu studieren, sich langsam zu befreien und verlässt die Gemeinde – was natürlich auch den Verlust der gesamten Familie bedeutet. Eine unvorstellbare Geschichte, tief bewegend, schrecklich, trotzdem absolut lesenswert. Deborah Feldman lebt heute übrigens mit ihrem Sohn in Berlin.

Das zweite Buch, was mich in letzter Zeit sehr bewegt hat, ist „Vom Ende der Einsamkeit“ von Benedict Wells. Es geht um Jules, der nach dem Verlust seiner Eltern durch einen Unfall mit ca. 10 Jahren zusammen mit seinen beiden Geschwistern ins Internat kommt und sich dort mit Alva anfreundet. Jahrelang ist Jules heimlich in Alva verliebt, aber auch sie hat schwere Zeiten erlebt und so zerbricht die Freundschaft abrupt am Ende der Schulzeit und beide gehen ihre eigenen Wege. Jahre später treffen sie sich wieder, Alva mittlerweile mit ihrem Jugendidol – einem deutlich älteren russischen Schriftsteller, verheiratet und sie führen eine etwas merkwürdige Dreierbeziehung, die von der zunehmenden Demenzerkrankung  des Russen überschattet wird.

Es passiert mir ja nicht oft, aber bei der Szene, als Romanov sich umbringen will, aber vergessen hat, dass er es tun wollte und Jules ihm den Revolver in die Hand drückt, habe ich das erste Mal geheult (was noch ein paar Mal mehr passiert ist…) Die beiden können nun also endlich zusammen sein, heiraten und bekommen Zwillinge – als sich herausstellt, dass Alva Krebs hat.

Wie Jules und seine Geschwister damit und miteinander und ihren absolut verschiedenen Lebenswegen mit Höhen und Tiefen umgehen, das ist einfach auf eine genial beschriebenen Weise herzzerreißend. Große Leseempfehlung! Für beide Bücher!

ist es nicht toll, wie die Farben korrespondieren? Ist Zufall – ichschwör!

Bis die Tage

Merle

5 Kommentare

  1. „Vom Ende der Einsamkeit“ habe ich auch verschlungen, der Inhalt hat mich noch lange Zeit sehr bewegt. Und „Unorthodox“ kommt jetzt auf meine Unbedingt-Lesen-Liste. 😊👍🏼

    LG und einen schönen Sonntag, Martina

    • fraumasulzke

      29. Oktober 2017 at 12:11

      Wenn wir ein bißchen dichter wohnen würden, würde ich es Dir direkt leihen 😉 …wirklich lesenswert, sag mal Bescheid, wie Du es fandest! LG Merle

  2. Das klingt nach wirklich spannendem Lesestoff! Wird auf jeden Fall gespeichert. LG Undine

  3. Beide Titel hören sich super an. Ich werde sie gleich mal notieren. Danke für die Tipps.
    Herzlichst Ulla

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