Erlesen: „Die Zweisamkeit der Einzelgänger“ von Joachim Meyerhoff

(für die Transparenz: das Buch wurde mir vom Verlag kostenlos zur Rezension zur Verfügung gestellt. Ich bedanke mich herzlich dafür! Ihr könnt aber sicher sein, dass das auf meine Meinung hier keinen Einfluss hat)

Moin Welt.

Endlich, endlich ist die Sperrfrist vorbei und ich darf Euch vom 4. Band des genialen Joachim Meyerhoff erzählen  vorschwärmen. Ihr kennt sicher Band 1 – 3? In dem Meyerhoff autobiographisch von seiner Kindheit in Schleswig berichtet, wo er als Sohn des Direktors der örtlichen Psychiatrie mit 2 Brüdern aufwächst, von seinem Austauschjahr in Wyoming, USA erzählt und schließlich seine Studentenjahre an der Schauspielschule München bei seinen hochbetagten Großeltern verbringt? Übrigens alle 3 Bücher einfach großartigst und das erstaunlichste ist: die lassen gar nicht nach. Man könnte einfach nur immer weiter lesen und lesen. So ist es – natürlich – nun auch im 4. Band.

Meyerhoff ist fertig mit der Schauspielschule und hat seine ersten Engagements. Ausgerechnet in Bielefeld und Dortmund! Auf einer Premierenfeier lernt er seine erste große Liebe Hanna kennen, eine zutiefst intellektuelle Studentin, die meiner Meinung nach Borderline oder sowas gehabt haben muss, so verrückt wie er sie darstellt. Auf jeden Fall ein Hochgenuss, den Gesprächen der beiden zu folgen. Hat mich ein bisschen an das erste Buch von Sven Regener, „Herr Lehmann“, erinnert. Bei Meyerhoff geht es mir immer so, dass ich so explosionsartig beim Lesen loslachen muss – ich sehe den Witz quasi nicht kommen. Und das liebe ich so dermaßen!

Nach nur 2monatiger Beziehung geht er dann ans Theater nach Dortmund und fängt zusätzlich zu der Beziehung zu Hanna eine Affäre mit der Tänzerin Franka an, die in allem das komplette Gegenteil zu dieser ist. Über Monate führt er eine Dreierbeziehung am Rande des körperlichen und geistigen Zusammenbruchs, bis dann auch noch Ilse, die pummelige, knapp fünfzigjährige Besitzerin der schrabbeligen Bäckerei um die Ecke dazukommt – mit der hat er aber eine eher platonische Beziehung.

Wie das ganze ausgeht und ob das gutgehen kann, werde ich hier jetzt mal nicht verraten, nur eine ganz ganz dicke Leseempfehlung an Meyerhoff-Fans und solche, die es werden wollen, geben!

Dass Fortsetzungen von Büchern eigentlich eher schlechter werden und nicht besser, ist ja eigentlich die Norm, hier ist es aber überhaupt nicht so. Meyerhoff erzählt und erzählt und man hängt regelrecht an den Zeilen – lacht sich ab und zu schlapp und wundert sich, wie jemand, der so komisch ist, gleichzeitig so brilliant sein kann.

Beispiel?

„Vielleicht, dachte ich später, trägt jeder Mensch so ein paar Sätze in sich, von denen er gar nichts weiß, die unbemerkt in ihm schlummern und das ganze Leben verändern können. So einen kleinen handlichen Trommelwortrevolver, dessen Kugeln sich unerwartet läsen und unleugbar, unumstößlich ins Dasein knallen. Natürlich kann man auch nach monatelangen Qualen und hunderten heimlich absolvierten Therapiesitzungen sagen: >Ich kann nicht mehr mit dir leben<. Aber es kann eben auch passieren, dass sich solch ein Satz wie ein Schuss löst, eine unbekannte, tiefer gelegene Macht den Hahn spannt und ansatzlos die Worte beim Abwaschen abfeuert. >Ich verlasse dich< oder >Ich hasse Euch<. Was bitte? >Ja ich kündige. Ich pack jetzt meine Sachen und komme nie wieder<. Diese Vorstellung ist gleichermaßen erschreckend wie befreiend, da diese Sätze hinterrücks ein ganzes Leben zunichtemachen, aber auch etwas in Bewegung setzen können, was desillusioniert, außerhalb der eigenen Möglichkeiten zu liegen schien.“

Und ein paar Seiten weiter:

„…Aber dieser Satz passte, passte perfekt. Genauso wie jeder Mensch ein paar Sätze mit sich herumträgt, die aus ihm herauswollen, genauso, dachte ich, gibt es auch ein paar Sätze, auf die ein Mensch wartet, Worte, von denen er nicht ahnt, dass sie auf ihn zutreffen könnten, und die ihm dann aber ermöglichen, sich selbst völlig neu zu denken…“

Während ich dies hier abschreibe, nicke ich innerlich ganz doll…

Ich kann nur sagen, geht hin und lasst diese wunderbaren, klugen und witzigen Worte (und im Buch gibt’s noch viiiiiiel mehr davon ;)) auf Euch wirken! Ich habe das Buch innerhalb von 2 oder 3 Tagen weggesuchtet und hoffe sehr, dass noch 3-5 Fortsetzungen folgen 😉

Bis die Tage

Merle

3 Kommentare

  1. Du bist wirklich lesesüchtig! Schön, dass du immer deine Empfehlungen mit uns teilst. LG Undine

  2. Ich hab mir das Buch gleich auf den Kindle geladen. Es ist herrlich zu lesen und genau so, wie Du es beschrieben hast: zwischendurch muss man laut lachen! Meyerhoff ist wirklich ein begnadeter Schriftsteller, danke für den tollen Tipp! 👍🏼

    LG Martina

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