ErLesen: Neuer Lesestoff

Moin Welt.

Das Schönste an Weihnachten und an den freien Tagen ist doch, dass man eine Menge neuer Bücher bekommt und vor allem auch Zeit hat, sich so richtig rein zu vertiefen – zumal ich mittlerweile zwar ein paar Bücher „auf Halde“ habe, aber es mich trotzdem immer nervös macht, irgendwann evtl. mal nix mehr zum Lesen zu haben. Nun habe ich auf jeden Fall wieder ein bisschen „Stoff“.

Was man von hier aus sehen kann von Mariana Leky

Als erstes möchte ich Euch „Was man von hier aus sehen kann“ von Mariana Leky empfehlen.

Meine Güte.

Was.für.ein.schönes.Buch!

Ein Buch, das mich gleichermaßen zum Lachen und zum Weinen gebracht hat und in einem hinreißend leisen und lakonischen Ton geschrieben ist. Bisschen Inhalt? Hauptfigur ist Luise, die hauptsächlich bei ihrer Oma Selma (die aussieht wie Rudi Carrell) irgendwo auf dem Dorf im Westerwald aufwächst. Wenn Selma im Traum ein Okapi erscheint, stirbt leider jemand aus dem Dorf, nur wer das sein wird, weiß man vorher nicht. Die einzelnen Bewohner der Dorf – jeder auf seine Weise irgendwie auf eine höchst symphathische Weise skurril (da ist z.B. der liebenswerte Optiker, der seit Jahren heimlich in Selma verliebt ist und alles in irgendeinen Zusammenhang bringen kann) – ringen alle irgendwie mit der Liebe. Als eines Tages der buddhistische Mönch Frederik im Wald vor Luise steht, hat auch sie die Liebe ihres Lebens gefunden. Dass Frederik eigentlich in einem Kloster in Japan lebt, macht die Sache nicht einfacher…

LESEN!!

Die Schöne und das Biest von Gabrielle-S. Barbot de Villeneuve

Ein Buch eher zum Blättern und Schmökern ist „Die Schöne und das Biest“  in der „prachtvoll illustrierten“ Ausgabe von Coppenrath. Die Geschichte als klassisches Märchen ist ja hinlänglich bekannt, oder? (Mädchen muss ihren Vater retten, in dem sie sich bereit erklärt, bei dem „Biest“ im Schloss zu leben. Träumt jede Nacht vom Prinz, in den sie sich unsterblich verliebt. Natürlich ist der Prinz und das Biest eine Person und durch die Liebe wird der Prinz nach einigen Prüfungen vom Biest-Dasein erlöst).

Ich mag die wunderschönen Illustrationen im Buch und alle paar Seiten gibt es etwas Besonders zum Drehen, Ausklappen oder Ausziehen. Zu schön gemacht. Allerdings – wenn – eher für ältere Kinder geeignet, weil doch teilweise recht filigran.

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Rattatatam mein Herz von Franziska Seyboldt

Überraschend habe neulich das Buch „Rattatam mein Herz“ von Franziska Seyboldt vom kiwi-Verlag  als Leseexemplar erhalten – vielen Dank dafür! Spannendes Thema (eigentlich finde ich ja  JEDES Thema spannend. Nur Krimis lese ich nicht so gern. Obwohl in der Not…;)) Die Autorin erzählt unter ihrem Klarnamen von ihrer Angststörung, die übrigens fast so weit verbreitet ist, wie Depressionen. Warum sie das getan hat, begründet sie damit, dass sie wahnsinnig viel über Angst gelesen habe – alles anonym – und dass sie glaube, dass dies genau der Grund ist, warum es immer noch ein Tabu ist. Richtig so.

Das Buch liest sich spannend, informativ, trotzdem weit entfernt davon, ein Ratgeber oder Sachbuch zu sein. Stellenweise schon fast poetisch. Es hat mir gut gefallen – trotzdem sollte man wissen, dass die 250 Seiten in Großdruck nur zu 2/3 gefüllt sind und man das Buch in knapp 90 Minuten durch hat.

Durch Mauern gehen von Marina Abramovic

Ein weiteres Buch aus der letzten Zeit, das ich quasi inhaliert habe, ist „Durch Mauern gehen“ – die Autobiografie von Marina Abramovic. Diesen Tip habe ich übrigens auf dem Blog von Linus *klick* gesehen (ein ganz toller Buchblog wie ich finde!) und da ich Marina Abramovic schon lange sehr bewundere, habe ich mich gefreut, dass sie ihre Lebensgeschichte aufgeschrieben hat. Kennt ihr sie? Marina Abramovic ist einer der bedeutendsten zeitgenösisschen Künstlerinnen und macht vorwiegend Performance-Kunst, die meist /immer sehr radikal ist. Vielleicht habt ihr vor ein paar Jahren ihre Performance im New Yorker MOMA „the artist ist present“ verfolgt? Dort saß sie 3 Monate lang jeden Tag 8 Stunden reglos auf einem Stuhl und hat jedem Besucher, der sich ihr gegenüber einen einen Stuhl setzte, so lange, wie er oder sie das wollte, wortlos in die Augen geschaut. Wortlos, reglos, ohne etwas zu sich zu nehmen oder aufstehen. Jeden Tag 8 Stunden. 3 Monate lang! Und das mit über 60! In der Dokumentation sieht man, dass viele Menschen zutiefst bewegt sind und nicht wenige auch weinen.

Eine absolut faszinierende Frau. Die Frage, der sie quasi ihr Leben widmet, was ist Kunst und warum ist etwas Kunst, finde ich hochspannend und ihren radikalen Ansatz absolut genial. (Ich sage ja immer, Kunst ist es, wenn es was mit Dir macht. Und das muss nix Positives sein!)

Anderes Beispiel, auch zutiefst verstörend: Sie hat sich irgendwann am Anfang ihrer Karriere (muss irgendwann in den 70ern gewesen sein) in einer Perfomance für eine gewisse Zeit (ich meine, so 6 Stunden) reglos hingestellt und neben sich einen Tisch mit Utensilien, z.B. eine Rose, ein Fotoapparat, Rasierklingen, Seife, Farbe…alles mögliche und auch einen geladenen Revolver. Und der Auftrag an die Besucher war, dass die mit ihr alles machen dürfen, was sie wollen, sogar sie erschießen. Sie übernehme die volle Verantwortung. Und was dann passiert ist, finde ich einerseits echt krass und andererseits nicht verwunderlich. Die Leute haben nämlich – nachdem sie ihre erste Scheu verloren haben – solche Dinge mit ihr gemacht wie: ihre Kleidung zerschnitten, sie mit der Rasierklinge verletzt, sie beschmiert, ihr sogar den geladenen Revolver an den Kopf gehalten.

Hochinteressant auch, in dem Buch über ihre Kindheit und Jugend als Tochter von Partisanenkämpfern in Belgrad zu lesen, ihre ständige Suche und Hingabe an die Kunst, ja fast schon ihr getrieben-sein, die sie u.a. in tibetische Klöster, brasilianischen Dschungel-Schamanen, zu den Aborigines, 2500 km zu Fuß auf die chinesische Mauer und immer wieder an Grenzen, physische und psychische, führt. Dadurch zeigt sie den Menschen etwas. Ich meine, das ist eindeutig Kunst.

Ich fand das Buch ganz toll und gebe eine dicke Empfehlung! Und wer nicht so gern liest, findet bei youtube auch ganz viel über sie.

Bis die Tage

Merle

4 Kommentare

  1. Wow, das sind ja so unterschiedliche und trotzdem höchst interessante Bücher. Das erste und das letzte Buch machen mich sehr neugierig. LG Undine

  2. Liebe Merle,
    die Autobiographie von Marina Abramovic steht auf meinem Wunschzettel – in zwei Wochen schenken die Arbeitskollegen sie mir zum Geburtstag 🙂
    Ich danke dir für deine Einschätzung, denn ich selbst nehme viele mir fremde Facetten an ihr wahr, die ich gern besser verstehen würde.
    Am meisten beeindruckt bin ich aber von der Performance im MomA ‚the artist is present‘ – die Reaktionen der Gäste, die Verwundbarkeit und der gleichzeitige Wunsch jedes Einzelnen wahr genommen werden zu wollen.

    Ich bin sehr gespannt auf dieses Buch.

    Lieben Gruß
    Simone (die noch kein einziges Papierdrahtmännchen gebastelt hat, dafür aber jede Menge Blüten aus Blumendraht und Nagellack)

    • fraumasulzke

      29. Januar 2018 at 10:56

      Liebe Simone, genauso ging es mir auch mit Marina Abramovic. Nach der Lektüre versteht man vieles besser, vor allem, wo diese absolute Radikalität herkommt und was sie dafür alles gemacht hat, ist schon irre. Erzähl unbeding mal, wie Du es fandest, wenn Du es durch hast, würde mich sehr interessieren. LG Merle

      • Liebe Merle,
        soeben begonnen das Buch zu lesen. Seite 17 angekommen. Natürlich hatte ich mich im Vorfeld schon über sie informiert, aber das Wissen mit Seite 17 ist in meinen Augen schon ausreichend für das, was kam… Ich bin unendlich traurig darüber, was Kindern – Menschen – angetan wurde und wird.

        Weiterlesenede Grüße von
        Simone

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