Moin Welt.

(für die Transparenz: das Buch „Abifeier“ wurde mir vom Verlag kostenlos zur Verfügung gestellt. Ich bedanke mir ganz herzlich dafür! Auf meine Meinung hat das natürlich keinen Einfluss)

Als ich die Ankündigung vom Verlag über das Buch „Abifeier“ von Eric Nil (das übrigens ein Pseudonym eines bekannten Romanautors ist) mit den Worten „scharfsinnig, bitter-ironisch“ bekam, dachte ich sofort: Super, genau das richtige für mich. Leider muss ich sagen, dass mich ein Buch selten so enttäuscht hat wie dieses. Es geht um ein getrenntes Paar, deren Tochter ihre Abifeier plant. Natürlich soll sie es so schön wie möglich an diesem wichtigen Tag haben und so sollen/wollen alle ihre Befindlichkeiten bezüglich Familienkonstellationen (Sohn redet nicht mehr mit Vater, Vater hat neue Freundin, Stiefsohn und Stieftochter ein Paar? Etc. etc.) zurückstellen und Nora einen tollen Abend bereiten.

Das scheitert jedoch schon an der Sitzordnung der Abifeier, deren Problematik sich der Autor gefühlt die Hälfte des Buches widmet. Was ich persönlich nicht nur sehr langweilig finde, sondern überhaupt nicht bitter-ironisch, sondern einfach Realität. Das weiss jeder, der schonmal für eine Hochzeit o.Ä. eine Sitzordnung geplant hat und zwar OHNE Patchworkproblematik. So ist für mich übrigens der ganze Roman, was aber vielleicht daran liegt, dass ich selbst aus einer nicht ganz unkomplizierten Patchworkfamilie stamme und ich die geschilderten „Probleme“ in diesem Buch einfach nur lächerlich finde.

Ich weiß, wieviel Arbeit in einem Buch steckt und sicher hat sich der Autor etwas dabei gedacht, aber dieses Buch kann ich leider gar nicht empfehlen, es ist (für mich) weder unterhaltsam noch lehrreich, noch sonstwas. Und schon gar nicht bitterböse oder ironisch. Wenn ich es mir gekauft hätte, hätte ich mich ziemlich darüber geärgert, was eigentlich echt selten vorkommt.

Nun zu etwas ganz anderem. Genauso selten fesselt mich ein Buch derart, dass ich es wie in einem Rausch weginhaliere und mich gar nicht trennen mag. Et voilà: hier ist so eins.

Dunkelgrün, fast schwarz von Mareike Fallwickl. Ich folge der Autorin schon länger auf twitter, habe nur Gutes darüber gehört und war auf das Debüt sehr gespannt. Auf einer langen Zugfahrt letztens habe ich es dann gelesen – und zwar ziemlich genau die Hälfte auf der Hinfahrt und den Rest auf der Rückreise.

Worum geht es: Moritz zieht, als er 3 ist, mit seiner Mutter Marie und seiner Schwester in ein relativ abgelegenes Dorf in den Bergen in Österreich und lernt dort den gleichaltrigen Raffael kennen. Die beiden Jungs freunden sich schnell an. Moritz ist ein freundlicher, sensibler Junge, der aufgrund seiner seltenen Synästhesie ungewöhnliche Sinneseindrücke hat, z.B. können Synästheten Farben sehen oder schmecken. Raffael hingegen ist ungewöhnlich gutaussehend, stark, empathisch und wirkt auf andere sehr anziehend. Leider nutzt er das jedoch gnadenlos aus und benutzt jeden, auch Moritz, ständig für seine Zwecke – und zwar bis an die Grenzen des Erträglichen. Trotzdem halten die beiden absolut fest zusammen. Und wer kennt sie nicht, diese Typen charmantes A*schloch, zu denen man sich wider besseren Wissens trotzdem hingezogen fühlt…Bis irgendwann Johanna auftaucht, die aus dem Zweierteam ein Dreieck macht und es so weit auseinander dehnt, bis es kaputt geht.

Warum, das erfährt man erst nach und nach in einer großartigen Komposition von Rückblenden und Perspektivenwechseln. Eine fantastisch erzählte Geschichte über Freundschaft und menschliche Höhen und Tiefen mit soviel Wärme und Klugheit! Ich mochte einfach alles an diesem Buch und hoffe sehr, dass noch ganz viele von der Autorin folgen!

Bis die Tage

Merle